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Diagnose der ED
(erektile Dysfunktion, Erektionsstörung, Potenzstörung, Impotenz)
Auf dieser Seite erfahren Sie, was Sie erwartet, wenn Sie zum ersten Mal wegen Erektionsstörungen zu einem Facharzt (Urologen) gehen. Die Aufstellung zeigt, welche Feststellungen und Untersuchungen bei einer gründlichen Diagnostik wichtig sind. Die Kosten für alle erforderlichen Untersuchungen im Rahmen der Diagnostik werden von den gesetzlichen Krankenkassen voll übernommen (siehe dazu auch "Kostenübernahme für die Diagnose der ED").
Manche Ärzte verschreiben bei Erektionsstörungen nach kurzem Gespräch Cialis, Levitra oder Viagra und sehen bei einer zufriedenstellenden Wirkung dieser Medikamente keinen weiteren Handlungsbedarf. In Anbetracht der Tatsache, dass Potenzstörungen ein erstes, frühes Symptom einer noch nicht erkannten Krankheit sein können, ist dieses Verhalten nicht akzeptabel. Suchen Sie sich in so einem Fall zur Feststellung der Ursachen Ihrer Potenzprobleme einen anderen Arzt!
Eine gründliche Diagnose von Potenzproblemen hat folgende Bestandteile:
1. Krankengeschichte (Anamnese)
In einem ausführlichen Gespräch wird Sie der Arzt zu folgenden Punkten befragen:
- Krankheiten, Operationen, Verletzungen
- Medikamente, die Sie einnehmen
- Lebensstil (Stress, Rauchen, Alkohol, andere Drogen)
- Sexualanamnese und psychische Situation: Eingrenzung des Problems, Krankheitsverlauf, begleitende Probleme, Stellenwert der Sexualität, sexuelles Verhalten, Verhalten der Partnerin
Die Anamnese liefert wichtige Hinweise darauf, ob die Ursachen schwerpunktmäßig im organischen oder psychischen Bereich liegen und welche weiteren Diagnosemaßnahmen erforderlich sind.
2. Körperliche Untersuchung
- Begutachtung des Körperbaus (Brust, Genitalien, Behaarung, Fettverteilung) liefert evtl. Hinweise auf eine Hormonstörung
- Abtastung (Palpation) des Unterbauchs, besonders Leber- und Leistengegend
- Abtastung von Penis und Hoden; Fragestellung: Verhärtungen (Plaques)? Phimose? Eichelentzündung? Hodengröße? Venenerweiterung am Hoden (Varikozele)?
- Abtastung der Prostata (durch den Enddarm) liefert evtl. Hinweise auf eine gutartige Vergrößerung oder auf Knoten
- Blutdruckmessung
Die körperliche Untersuchung liefert Hinweise auf eventuell vorliegende Begleiterkrankungen.
3. Labor
Die Bestimmung folgender Blutwerte kann wertvolle Hinweise auf die Ursachen der Erektionsstörung liefern:
- Kleines Blutbild
- Blutfette (Triglyceride)
- Cholesterin (Gesamt-Cholesterin, LDL und HDL)
- Blutzucker (Nüchternglukose)
- Leberwerte
- Nierenwerte
- Hormonstatus: Gesamt-Testosteron, SHBG, Prolaktin, FSH, LH, Östradiol
- Schilddrüsenhormone: T3, T4, TSH
- bei Diabetikern: HbA1c
- bei auffälligem Befund der Prostata: PSA
Je nach dem, welche Hinweise sich aus der Krankengeschichte und der körperlichen Untersuchung ergeben haben, wird der Arzt entscheiden, welche dieser Werte im Labor bestimmt werden. Es ist also keineswegs notwendig, dass immer und sofort sämtliche der genannten Werte gemessen werden.
Auf den Internetseiten von Laborlexikon.de finden Sie Normwerte für alle gängigen Laboruntersuchungen.
4. Schwellkörper-Injektionstest (SKIT) in Verbindung mit einer Ultraschalluntersuchung (Sonographie)
Durch das Spritzen eines gefäßerweiternden Medikamentes in einen Schwellkörper wird eine Erektion ausgelöst. Während der Entstehung der Erektion wird der arterielle Blutzufluss in die Schwellkörper gemessen. Die zur Erreichung der Erektion notwendige Dosis des Medikaments, der erreichte Erektionsgrad und die Bluteinströmungs-Geschwindigkeit liefern wichtige Informationen über den Zustand der Blutgefäße und der Schwellkörper.
5. Weitere Untersuchungen
Je nach Ergebnis dieser Untersuchungen können weitere spezielle Untersuchungen notwendig sein. Für die früher öfter durchgeführten invasiven Untersuchungen Cavernosometrie und Cavernosographie besteht allerdings nur noch selten Bedarf.
Anmerkungen und Literaturangaben:
- Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU):
Diagnostik und Therapie von Libido- und Erektionsstörungen, August 2001 - Hauck, E.W.; Altinkilic, B.; Diemer, T.; Weidner, W.:
Diagnostik der erektilen Dysfunktion
Der Urologe [A] 2005 Band 44: 1154-1159 - H. Porst:
Manual der Impotenz, Erektions-, Ejakulations- und Hormonstörungen, Peniserkrankungen, weibliche Sexualstörungen
Uni-Med-Verlag Bremen 2000, ISBN 3-89599-455-3 - Sperling, Herbert; Hartmann, Uwe; Weidner, Wolfgang;
Stief, Christian G.:
Erektile Dysfunktion: Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie
Deutsches Ärzteblatt 102, Ausgabe 23 vom 10.06.2005, Seite A-1664 / B-1397 / C-1318
Artikel im Internet - C.G. Stief, U. Hartmann, M.C. Truss, U. Jonas:
Zeitgemäße Therapie der erektilen Dysfunktion
2. aktualisierte und ergänzte Auflage, Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York 2002, ISBN 3-540-42443-1 - W.-H. Weiske:
Diagnostik der erektilen Dysfunktion - was ist heute noch notwendig?
Der Urologe [A] 2003 42: 1317-1321
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