Selbsthilfegruppe Erektile Dysfunktion (Impotenz)

Erektionsstörung: Ursachen, Behandlung, Kosten, Erfahrungen - von Betroffenen

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Ich bin wieder glücklich!

Dies ist ein sehr persönlicher Bericht über einen wahren Horrortrip, den ich in den letzten Monaten als Folge meines zuvor erlittenen Herzinfarkts erlebt habe.

Zunächst verlief nach meinem Herzinfarkt alles recht positiv. Es war offensichtlich, dass mein Herz keine gravierenden, bleibenden Schäden davongetragen hatte, also schien eine Rückkehr zum normalen Leben nur noch eine Frage der Zeit.

Aber zum normalen Leben gehört eben auch die Sexualität, und genau das erwies sich als völlige Pleite: ich musste mit Erschrecken feststellen, dass nichts mehr ging. Nun hatte ich im Vorfeld natürlich schon mitbekommen, dass viele Herz-Kreislaufmedikamente, insbesondere die Betablocker (aber auch andere: ACE-Hemmer, Cholesterin-Senker etc.) eine erektile Dysfunktion (ED) verursachen können, was auch in den (meisten) Beipackzetteln steht. Aber dass dies auch mich trifft, hatte ich eigentlich nicht auf der Rechnung. Das war der erste Schock, wenn auch nicht ganz unvorbereitet.

Also nichts wie hin zum (Haus-)Arzt, das Problem geschildert. Der wusste nach den ersten Andeutungen sofort, was Sache ist. Das Problem im Zusammenhang mit Herz-Kreislaufmedikamenten ist offenbar weit verbreitet. Kurz, ich ließ mir erst einmal Cialis verschreiben. Die PDE-5-Hemmer Cialis, Viagra, Levitra sind ja sozusagen Standard bei der Behandlung von ED. Doch nun kam der Supergau: Cialis hatte absolut keine Wirkung. Und da bekam ich echte Panik. Gehöre ich ausgerechnet zu den ca. 30% der Männer, die auf PDE-5-Hemmer nicht reagieren, die sogenannten Non-Responder? Oder ist die Blockade so stark, dass nicht mal so was hilft?

Es war so schrecklich, dass ich es kaum beschreiben kann. Es ist ja nicht die Tatsache, jetzt und hier auf Sex verzichten zu müssen, sondern die Angst davor, dass es nun endgültig aus war mit dem Liebesleben: es besteht ja keine Aussicht, dass ich die "schuldigen" Medikamente irgendwann wieder losbekomme - sie werden mir für den Rest des Lebens erhalten bleiben. Und die Aussicht, dass dieser Rest so trostlos aussieht, war das nackte Grauen. Ich bekam Kniezittern und habe in den Armen meiner Frau geweint wie ein Schlosshund. Und sicher nicht, weil ich im Allgemeinen ein Weichei bin - ich denke ich habe in den vielen Verletzungs- und Krankheitsphasen der letzten Jahre zu Genüge bewiesen, dass dies nicht so ist.

Aber das hier ist schwerer zu ertragen als physischer Schmerz, Behinderung und sonstige Quälerei, denn es zerstört das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl von ganz innen. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen: es ist DIE männliche Urangst, ganz tief in den Urinstinkten verankert, dagegen kommt man mit rationaler Betrachtung nicht an. Es war klar, dass ich das so nicht aushalten würde, ohne in tiefe Depression zu stürzen. Zum Glück hatte ich die Unterstützung und die Liebe meiner Frau, mit der ich auch offen über die Sache reden konnte - extrem wichtig! Sie hat mir auch Mut gemacht, nicht aufzugeben und mit allen Mitteln zu versuchen, aus der Misere irgendwie herauszukommen, bzw. eine erträgliche Lösung zu finden.

Ich habe also meinem Arzt unmissverständlich klar gemacht, dass ich diesen Zustand nicht akzeptieren werde, zur Not auch durch Abbruch der Medikation und damit auf Kosten eines erhöhten Folge-Infarkt-Risikos. Zumal ja auch die Wirkung des aktuellen "Rattengift-Cocktails" auf den Blutdruck infolge des enormen Leidensdrucks wieder großteils zunichte gemacht wurde - d.h. noch mehr von dem Teufelszeug, noch mehr Impotenz, usw. - ein wahrer Teufelskreis. Daraufhin begann also eine "Probierphase": jeweils ca. 2 Wochen ein Mix aus anderen Betablockern und sonstigen Blutdrucksenkern - jeweils genau darauf achten, was sich tut, und probieren, ob wenigstens Viagra und Co. hilft.

Das zog sich dann so eine Zeitlang hin - mit teilweise abenteuerlichen Zuständen, bei denen der Kreislauf komplett verrückt spielte (ohne das ED-Problem zu verringern), aber schlussendlich ergab sich ein Mix, der zumindest keine völlige Blockade mehr bewirkte, und diese konnte durch 50 mg Viagra gelöst werden. Eine (erste) Erlösung.

Zwischenzeitlich hatte ich die Sache auch einigen guten Freunden erzählt - es hat ja keinen Sinn, zu behaupten, es gehe einem gut, wenn das genaue Gegenteil der Fall ist. Und siehe da: es stellte sich heraus, dass ich im engeren Freundeskreis nicht der einzige bin, der sich mit so etwas herumschlägt, sondern auch andere mehr oder weniger stark betroffen sind, aus unterschiedlichen Gründen. Die männliche Erektion ist eben eine sehr komplizierte Sache, und wenn an einer Stelle der komplexen Kette des Zusammenspiels von Hormonen/Botenstoffen etwas nicht stimmt, lernt man ganz schnell, wie zerbrechlich das alles ist. Solange man jung ist, bzw. alles "wie von selbst" geht, macht man sich darüber keine Gedanken (und das ist auch gut so). Und das Beste an dem offenen Umgang mit dem heiklen Thema ist - neben dem Trost, dass man nicht allein ist - : Es ergeben sich auch neue Aspekte, man bekommt Tipps und persönliche Erfahrungen darüber, was anderen hilft.

Und einer dieser Tipps erweist sich auch bei mir gerade so langsam als echter Geheimtipp: Arginin - eine natürliche Aminosäure als Nahrungsergänzung - kann den Blutdruck senken und für die Anregung der NO-Produktion sorgen - NO (Stickstoffmonoxid) ist der Ausgangsstoff für die Produktion des Botenstoffes cGMP, der eine Erektion in Gang bringt. Im Prinzip also genau der Effekt, den auch Viagra und Co. haben - nur dass diese den Abbau von cGMP blockieren, wohingegen das Arginin einfach das NO (und damit cGMP) aufbaut und erst nach längerer Behandlung wirkt.

Momentan (nach 8 Wochen ausreichender Dosis) kann ich eindeutig diese positive Wirkung bestätigen - es gab auch schon wieder Sex ganz ohne Viagra … smiley.

Ein weiteres Zeichen für die Wirkung ist auch die Rückkehr der normalerweise mehrfach pro Nacht in den REM-Phasen des Schlafs auftretenden, "automatischen" Erektionen und damit auch der sogenannten "Morgenlatte". Dies alles war vorher weg, und zwar vollständig. Also ist nun wieder alles auf gutem Weg (wenn auch noch nicht perfekt) - kurz: ich lebe wieder, ich bin der Verzweiflung entronnen - ich bin glücklich.

Werner J.