Selbsthilfegruppe Erektile Dysfunktion (Impotenz)

Erektionsstörung: Ursachen, Behandlung, Kosten, Erfahrungen - von Betroffenen

Sie befinden sich hier:

Startseite > Behandlung (Therapie) > PDE-5-Hemmer: Cialis, Levitra, Spedra, Viagra

Behandlung (Therapie) der erektilen Dysfunktion:
PDE-5-Hemmer (Cialis®, Levitra®, Spedra®, Viagra®)

Die Zulassung von Viagra® im Jahre 1998 hat die Therapie der erektilen Dysfunktion (ED) grundlegend verändert. Mit diesem Medikament kann sehr vielen Männern mit Erektionsstörungen geholfen werden, denen zuvor nur wenige und vor allem weniger gut geeignete Therapie­möglichkeiten angeboten werden konnten. Inzwischen sind mit Cialis® (seit 1. Februar 2003), Levitra® (seit 15. März 2003) und Spedra® (seit dem 1. April 2014) weitere Medikamente mit dem gleichen Wirkmechanismus (Hemmung der Phosphodiesterase Typ 5) auf dem deutschen Markt. Diese Präparate werden auch als PDE-5-Hemmer oder PDE-5-Inhibitoren bezeichnet. Sie unterscheiden sich in der Schnelligkeit des Eintretens der Wirkung, in ihrer Wirkungsdauer und in ihrer Verträglichkeit. Sie sind geeignet zur Behandlung von Potenzproblemen mit organischer, psychogener oder gemischter Ursache.

Handelsformen

Medikament Hersteller Wirkstoff Dosierung
Cialis® Lilly Tadalafil 5mg, 10mg, 20mg
Levitra® Bayer Vardenafil 5mg, 10mg, 20mg
Spedra® Berlin-Chemie Avanafil 50mg, 100mg, 200mg
Viagra® Pfizer Sildenafil 25mg, 50mg, 100mg

In Österreich und der Schweiz ist auch ein Vardenafil-Präparat mit dem Handelsnamen Vivanza® auf dem Markt. Es ist identisch mit Levitra®.

Seit ab Juni 2013 der Viagra®-Wirkstoff Sildenafil nicht mehr patentgeschützt ist, bieten mehrere Hersteller rezeptpflichtige Präparate mit gleicher Dosis und Wirkung, sog. Generika, zu viel niedrigeren Preisen an. Zwölf Tabletten mit 100 mg kosten zwischen 24 und 50 €.

Anwendungsinformationen

  Cialis® Levitra® Spedra® Viagra®
Empfohlener Einnahmezeitpunkt mind. 30 Min.
vor dem GV
25 bis 60 Min.
vor dem GV
etwa 30 Min.
vor dem GV
etwa 60 Min.
vor dem GV
Wirkungsdauer bis zu 36 Stunden 4 bis 5 Stunden 6 Stunden 4 bis 5 Stunden
Einfluss von Mahlzeiten kein Einfluss Wirkung vermindert nach sehr fett­reicher Mahlzeit Wirkung vermindert nach sehr fett­reicher Mahlzeit Wirkung verzögert und schwächer nach einer Mahlzeit
Höchste Konzentra­tion im Blutplasma 2 Stunden 30 bis 120 Min.
im Mittel 60 Min.
30 bis 45 Min. 30 bis 120 Min.
im Mittel 60 Min.
Halbwertszeit 17,5 Stunden 4 bis 5 Stunden 6 bis 17 Stunden 3 bis 5 Stunden

Anmerkung: Die Halbwertszeit ist die Zeitspanne, in der die Konzentration des Wirkstoffs im Blutplasma um die Hälfte abnimmt.

Die Werte in der obenstehenden Tabelle stammen aus den Gebrauchsinformationen und Fachinformationen für die einzelnen Medikamente (EMA 2014). Es handelt sich um Durch­schnitts­werte. Im Einzelfall können diese stark abweichen und auch bei verschiedenen Versuchen eines einzelnen Mannes stark schwanken. Besonders beim Zeitpunkt der Einnahme sollte man auf Nummer sicher gehen. Konkret heißt das, dass man folgende Wartezeiten zwischen Einnahme und Geschlechtsverkehr einplanen sollte: bei Spedra 30 Minuten, bei Levitra und Viagra 1 Stunde und bei Cialis 2 Stunden.

Medikamente wirken grundsätzlich nicht bei allen Patienten. Das ist auch bei den PDE5-Hemmern nicht anders. In einer Auswertung von 130 qualitativ hochwertigen Studien waren 67% bis 89% der Studienteilnehmer mit der Erektion zufrieden (Tsertsvadze 2009). Das bedeutet, dass die Medikamente bei 11% bis 33% der Männer nicht ausreichend gewirkt haben. Bei der Einnahme von Cialis, Levitra und Viagra kann man aber auch Fehler machen. Das führt oft dazu, dass das Medikament vorschnell als wirkungslos eingeordnet wird. Wie aus einem anfänglichen Versagen doch noch ein Erfolg werden kann, steht auf unserer Seite "Warum bewirken Cialis®, Levitra®, Spedra® und Viagra® bei mir keine (ausreichende) Erektion?"

Unerwünschte Nebenwirkungen

Wenn von Nebenwirkungen bei Viagra und Co. die Rede ist, dann fallen vielen Menschen Zeitungsberichte aus der Zeit kurz nach der Marktzulassung von Viagra ein, die von Todesfällen nach der Einnahme berichteten. Die PDE-5-Hemmer werden daher oft als gefährlich angesehen, besonders bei Männern, die an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leiden. Viele Studien haben jedoch in der Zwischenzeit eindeutig gezeigt, dass bei Beachtung der Kontraindikationen keine Gefahr für eine Herzschädigung oder gar einen plötzlichen Herztod, Herzinfarkt oder Schlaganfall besteht. Das gilt für Männer, die keine Herzprobleme haben, aber auch für einen hohen Prozentsatz von Männern mit einer stabilen Herzerkrankung. Dies wird auch durch die 2006 erfolgte Zulassung von Sildenafil mit dem Handelsnamen Revatio® als Medikament gegen Bluthochdruck im Lungenkreislauf (pulmonale Hypertonie) unterstrichen. Weitere Informationen zur Einnahme von PDE-5-Hemmern bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen stehen auf unserer Seite "Darf ich trotz Herzerkrankung Cialis®, Levitra®, Spedra® oder Viagra® einnehmen?"

Die häufigsten Nebenwirkungen sind in der folgenden Tabelle enthalten. Für Cialis, Levitra und Viagra stammen die Daten aus Zusammenfassungen (Meta-Analysen) von jeweils mehreren Studien (Porst 2006); für Spedra stammen sie aus einer einzigen Studie (Goldstein 2012). Die gesamte Teilnehmerzahl wird als "n" angegeben.


Effekt
Cialis® (Tadalafil)
n = 804
Levitra® (Vardenafil)
n = 2.203
Spedra® (Avanafil)
n = 483
Viagra® (Sildenafil)
n = 5.918
Kopfschmerzen 14% 14,5% 7% 14,6%
Gesichtsrötung (Flush)  4% 11,1% 4,6 14,1%
Verdauungsstörung (Dyspepsie) 10%  3,7% k. A.  6,2%
verstopfte Nase  5%  9,2% 2,3%  2,6%
Rückenschmerzen  6%  0% 2,3%  0%
Sehstörungen  0%  0% k. A.  5,2%

Weitere, weniger häufig auftretenden Nebenwirkungen sind in den Beipackzetteln aufgeführt. Die Erfahrung zeigt, dass die Nebenwirkungen nach mehrmaliger Einnahme nachlassen.

Was spricht gegen eine Anwendung (Kontraindikationen)

Im Beipackzettel stehen weitere Einschränkungen für die Einnahme bei Vorliegen seltener Erkrankungen oder der Anwendung anderer Arzneimittel.

Wirkungsweise

Bei sexueller Erregung (Stimulation) wird in den Schwellkörpern Stickoxyd (NO) freigesetzt. Dieses Stickoxyd aktiviert ein Enzym, das die Bildung von cycloGMP (oder kurz cGMP) aus GTP bewirkt. cGMP führt zu einer Erschlaffung der glatten Muskeln im Schwellkörper und durch den verstärkten Blutzustrom zur Erektion. Ein anderes Enzym, die Phosphodiesterase Typ 5 (PDE-5), baut das cGMP wieder ab, was letzten Endes zum Erliegen der Erektion führt. An dieser Stelle setzt die Wirkung von Cialis®, Levitra®, Spedra® und Viagra® ein. Die Wirkstoffe dieser Medikamente sind sogenannte Phosphodiesterase-Hemmer und verhindern den Abbau von cGMP, so dass die Erektion erhalten bleibt. Bei fortgesetzter sexueller Stimulation reichert sich durch ständige Neu-Bildung und Nicht-Abbau das cGMP im Schwellkörper an. Diese Anreicherung vertieft ihrerseits die Erschlaffung der glatten Muskeln weiter und führt damit durch den kräftig verstärkten Bluteinstrom auch zu einer besseren Erektion. Aus all dem folgt:

  1. Die PDE5-Hemmer erzeugen keine Erektion, sondern verbessern Stärke und Dauer der Erektion.
  2. Die Präparate können nur bei sexueller Stimulation wirken.
  3. Die für eine Erektion erforderlichen Nervenstrukturen müssen intakt sein. Sind diese zerstört, können diese Medikamente nicht wirken.

In der Öffentlichkeit, den Medien und in Stammtischrunden werden diese Medikamente - oft mit einem vielsagenden Lächeln und Augenzwinkern - als "Potenzmittel" bezeichnet und man meint damit Mittel, die den Geschlechtstrieb anreizen und die sexuelle Potenz steigern. Aus dem oben Gesagten ergibt sich, dass Cialis®, Levitra®, Spedra® und Viagra® eben keine Potenzmittel sind. Es handelt sich weder um Potenzmittel noch um Lifestyle- oder Party-Drogen, sondern um hochwirksame Arzneimittel zur Behandlung einer Krankheit, die neben ihrer Wirkung auch Nebenwirkungen und Risiken haben.

Kostenübernahme durch Krankenkassen

Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Modernisierung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) (wie die Gesundheitsreform offiziell heißt) am 1. Januar 2004 änderte sich die Rechtslage für Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen. Arzneimittel, die überwiegend zur Behandlung der erektilen Dysfunktion dienen, werden danach nicht mehr von der GKV gezahlt.

Weitere Informationen

Die Kosten für Cialis® und Viagra® lassen sich verringern, wenn man höher dosierte Tabletten teilt. Dies gelingt bei den sehr harten Tabletten am besten mit einem Tablettenteiler, der in Apotheken erhältlich ist. Die Preise für 5 und 10 mg Levitra® wurden im Mai 2010 gesenkt, deshalb bringt das Teilen bei Levitra® keinen Vorteil.

Neue Therapie-Option: Dauermedikation

Täglich oder jeden zweiten Tag einen der PDE-5-Hemmer in niedriger Dosierung einzunehmen, ist ungefährlich und eine neue Therapie-Option. Die Wirkstoffe haben einen positiven Einfluss auf die innere Schicht (das Endothel) der Blutgefäße, deren Funktionsfähigkeit von entscheidendem Einfluss auf die Entstehung einer Erektion ist. Wird die Dauermedikation mit 5 mg oder 10 mg Cialis durchgeführt, so ergibt sich wegen der langen Wirkungsdauer ein konstanter Plasmaspiegel des Wirkstoff, der für viele Männer ausreicht, um wie früher jederzeit Geschlechtsverkehr ausüben zu können (Porst 2009).

In Studien wurde gezeigt, dass die mehrmonatige regelmäßige Einnahme zu einer deutlichen Verbesserung der Erektionsfähigkeit geführt hat, die auch nach dem Absetzen des Medikaments anhielt. Einige Männer waren dann in der Lage, ohne Medikamente eine ausreichende Erektion zu bekommen. Andere konnten nach einiger Zeit auf die übliche Einnahme im Bedarfsfall übergehen (McMahon 2004). Zur Zeit kann man noch nicht sagen, für welche Patienten die Dauermedikation geeignet ist, wie lange die positive Wirkung nach dem Absetzen anhält und ob so eine Heilung der ED möglich ist. Wegen dieser Unsicherheit und wegen der hohen Preise der Medikamente will eine Dauereinnahme gut überlegt sein.

Gesicherte Erkenntnisse über die regelmäßige Einnahme liegen dagegen nach Eingriffen im kleinen Becken, z.B. nach Prostatakrebsoperationen, vor. Wenn nach nerverhaltender Operation nächtliche Spontanerektionen messbar sind, können diese dadurch verstärkt werden. Man kann damit dem Um- und Abbau des Schwellkörpergewebes entgegenwirken und die Erektionsfähigkeit der Schwellkörper erhalten.

Literatur

Weitere Seiten bei uns zum Thema

Medizinische Fachliteratur

Diese Seite wurde von Nicht-Medizinern erstellt. Die Autoren haben dazu sorgfältige Recherchen durchgeführt. Die Informationen auf dieser Seite sollen Ihnen bei der Vorbereitung eines Arztbesuchs helfen und das Gespräch mit dem Arzt erleichtern. Sie können keinesfalls das Gespräch mit dem Arzt ersetzen!