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Gespräche über sexuelle Probleme
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Vielen Paaren fällt es sehr schwer, über ihre Sexualität und besonders über Probleme in der Sexualität zu reden. Da in den Mails an uns ausschließlich Frauen dieses beklagen und nach Auswegen suchen, wenden wir uns mit dieser Seite in erster Linie an Frauen. Wir würden uns freuen, wenn trotzdem auch Männer diese Seite lesen und daraus Anregungen schöpfen.
Viele Männer lehnen Gespräche über sexuelle Probleme einfach ab oder verschieben sie auf eine unbestimmte Zukunft. Es ist sicher wichtig, dass eine Frau ihren Partner bei sexuellen Problemen nicht unter Druck setzt. Aber genau so wichtig ist, dass in einer Partnerschaft keine Tabus entstehen, über die nicht mehr geredet wird. Wenn Ihr Partner sagt: "jetzt nicht", dann sollten Sie das akzeptieren, aber bestehen Sie darauf, dass dann eine verbindliche Abmachung für einen anderen Termin getroffen wird.
Vorbereitung
- Informieren Sie sich über Erektionsstörungen (Häufigkeit, Ursachen, Diagnose, Behandlungsmöglichkeiten) und Spielarten der Sexualität, die keine Erektion voraussetzen.
- Werden Sie sich über den Stellenwert der Sexualität in Ihrem Leben und in der Beziehung zu Ihrem Partner klar. Was bedeutet Ihnen die Sexualität?
- Beantworten Sie sich folgende Fragen: Was ist Ihnen in der Sexualität wichtig, welche Erwartungen, Wünsche und Bedürfnisse haben Sie? Ist für Sie der Geschlechtsverkehr unverzichtbarer Bestandteil der Sexualität oder können Sie auch ganz oder teilweise mit anderen Formen der Sexualität leben? Könnten Sie sich vorstellen, neue Spielarten der Sexualität mit Ihrem Partner zu erproben?
- Signalisieren Sie Ihrem Partner (vielleicht durch eine Karte oder einen Brief?), dass es ihnen darum geht, mit ihm gemeinsam eine Lösung zu finden und dass sie überzeugt sind, dass eine befriedigende Lösung möglich ist (nachdem Sie einen Termin mit ihrem Partner vereinbart haben).
Ort und Zeitpunkt
Wählen Sie einen Zeitpunkt für das Gespräch, bei dem Sie nicht unter Zeitdruck stehen. Stellen Sie sicher, dass Sie nicht gestört werden können. Die Atmosphäre sollte möglichst entspannt sein, z.B. nach einem gemütlichen Abendessen. Eventuell ist ein neutraler Ort, wie z.B. ein gemütliches, ruhiges Lokal, ein besserer Ort als die eigenen vier Wände. Oder ist für Sie beide ein Spaziergang eine gute Möglichkeit zum Austausch? Das Bett ist übrigens nicht unbedingt ein geeigneter Ort für solche Gespräche, die Gefahr, dass einer der Partner das Gespräch vorschnell mit dem Hinweis auf seine/ihre Müdigkeit beendet, ist groß.
Regeln
Offene und ehrliche Gespräche mit dem Partner zu führen, ist nicht einfach. Dabei kann man vieles falsch machen. Die folgenden Regeln haben sich als hilfreich erwiesen, weil Schuldzuweisungen vermieden werden und stattdessen der Schwerpunkt darauf gelegt wird, dem Partner Informationen über die eigene Befindlichkeit zu geben.
- Erzählen Sie von sich, wie Sie sich fühlen, wie es Ihnen geht. Also nicht "man braucht Zärtlichkeit", sondern "ich brauche Zärtlichkeit". Nicht "du vernachlässigst mich", sondern &qot;ich fühle mich vernachlässigt".
- Vermeiden Sie Verallgemeinerungen ("du bist nie zärtlich zu mir"). Nehmen Sie konkrete Situationen als Beispiel.
- Zeigen Sie Verständnis für die Situation Ihres Partners, aber erzählen Sie ihm auch von Ihren Selbstzweifeln und Ängsten (z.B. nicht mehr attraktiv für ihn zu sein, nicht mehr geliebt zu werden).
- Sagen Sie Ihrem Partner, dass Sie sich Sorgen um ihn und um seine Gesundheit machen.
- Viele Missverständnisse lassen sich vermeiden, wenn Sie ab und zu das von Ihrem Partner Gesagte in Ihren eigenen Worten zusammenfassen und fragen, ob Sie ihn damit richtig verstanden haben.
- Wenn Ihr Partner zu dem, was Sie gesagt haben, momentan nichts sagen kann, dann lassen Sie ihm Zeit, das Gesagte zu verdauen. Drängen Sie ihn nicht zu einer Stellungnahme, vereinbaren Sie stattdessen einen neuen Termin.
Um zu vermeiden, dass einer der Partner das Gespräch dominiert, kann man auch abwechselndes, zeitlich begrenztes Zuhören und Reden vereinbaren. Also jeweils ein Partner redet z.B. 10 Minten lang, der andere hört zu. Danach werden die Rollen getauscht. Natürlich kann die Redezeit auch Redepausen beinhalten und der Zuhörer darf reine Verständnisfragen stellen.
Missglückte Gespräche
Gespräche können natürlich auch missglücken. Das zeigt sich z.B. darin, dass
- das Gespräch in gegenseitigen Vorwürfen und Schuldzuweisungen endet,
- ein Partner beleidigt schweigt und dadurch das Gespräch beendet,
- alle Gespräche immer wieder um das selbe Thema kreisen und kein Fortschritt erkennbar wird,
- Absprachen nicht eingehalten werden.
Wenn Gespräche mit Ihrem Partner regelmäßig unbefriedigend enden, dann sollten Sie professionelle Hilfe in Form einer Paarberatung in Anspruch nehmen. Adressen dazu finden Sie auf unserer Seite "Sexual- und Paarberatungsstellen".
Weiterführende Informationen
- Eine Fülle von hilfreichen Anregungen findet man im "Online Familienhandbuch". Besonders interessant ist das Kapitel Paarkommunikation - einige Regeln.
- Buchtipp: Michael Lukas Moeller:
Die Wahrheit beginnt zu zweit - Das Paar im Gespräch; rororo Sachbuch 9153
Die Grundgedanken in diesem Buch sind auch auf der Internetseite "Dyalog.de" von Michael Lukas Moeller (der leider viel zu früh im Sommer 2002 gestorben ist) und seiner Frau Célia Maria Fatia zu finden. Besonders interessant ist das Dokument "Zwei im Gespräch".