Selbsthilfegruppe Erektile Dysfunktion (Impotenz)

Erektionsstörung: Ursachen, Behandlung, Kosten, Erfahrungen - von Betroffenen

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Kritik an der Stern-Titelgeschichte in Augabe 32/2004

Die Titelgeschichte des Stern Nr. 32 vom 29.7.2004 behandelt den "Siegeszug der Sexpillen" (Untertitel: Wie Viagra, Cialis und Levitra das Liebesleben der Deutschen verändern). Leider ist dieser Artikel ein sehr einseitiges Loblied auf Viagra und Co.; wenn er von den Marketingabteilungen der Hersteller verfasst worden wäre, wäre er wohl kaum anders ausgefallen. Zweifellos sind diese Medikamente ein Segen für viele Männer. Aber zu einem ausgewogenen Artikel hätte auch gehört, dass die Schattenseiten des Geschäfts mit diesen Medikamenten mehr herausgestellt werden. Wir haben übrigens bei diesem Artikel mitgewirkt, aber unsere kritischen Anmerkungen wurden entschärft oder sind teilweise auch ganz unter den Tisch gefallen. Hier sind einige unserer Kritikpunkte:

  1. Die am Anfang stehende Aussage "sechs Jahre, in denen sich ein Tabu-Thema zur ganz normalen Diagnose gewandelt hat", trifft voll daneben. Wir erleben es tag-täglich, dass es Männern nicht gelingt, über Erektionsstörungen mit ihrer Partnerin und ihrem Arzt zu reden. Manchen Ärzten gelingt es ebenfalls nicht, Patienten mit einem erhöhten Risiko für Erektionsstörungen (wie beispielsweise Diabetiker) auf ihre Sexualität anzusprechen. Hier existiert immer noch ein Tabu, das leider nicht angesprochen wurde.
  2. Im Artikel wird behauptet, dass viele Männer sich Viagra und Co. übers Internet besorgen, weil sie befürchten, kein Rezept für diese Medikamente von ihrem Arzt zu bekommen. Das mag für einen Teil der Männer zutreffen, die Viagra ohne Not ausprobieren wollen. Die meisten Männer, die unter einer Erektionsstörung leiden, wählen diesen Weg, weil die Medikamente sehr teuer sind oder weil sie sich schämen, deswegen zum Arzt zu gehen.
  3. Es gibt viele Männer, bei denen diese Medikamente nicht wirken, die sie nicht vertragen, oder die sie sich schlicht und einfach nicht leisten können. Diesen Männern fällt es gerade wegen des einseitigen Getöses um Viagra und Co. umso schwerer mit ihrer Situation umzugehen. Das wurde zwar kurz erwähnt, es wäre aber hilfreich gewesen, näher auf diese Situation einzugehen. Dazu ein interessanter Artikel: "Men Devastated When Viagra Fails"
  4. Diese Medikamente unterstützen falsche und unrealistische Vorstellungen von Sexualität. Viele Männer meinen, wenn ihre Erektionsfähigkeit wieder hergestellt sei, dann würde die Partnerschaft aufblühen. Manche Männer besorgen sich heimlich Viagra und Co. und müssen feststellen, dass die erhoffte Wirkung auf die Partnerin ausbleibt. Mit einer Pille allein, und schon gar nicht mit einer heimlich eingenommenen, lässt sich nun mal eine unbefriedigende Partnerschaft nicht wieder in Schwung bringen. Leider wurde auf solche sexuelle Mythen nicht eingegangen.
  5. Diese Medikamente verführen auch viele Ärzte dazu, nur Symptome zu kurieren. Eine dringend notwendigend gründliche Diagnose einer Erektionsstörung fällt da oft unter den Tisch. In Anbetracht der Tatsache, dass Erektionsstörungen erstes Anzeichen einer gefährlichen Krankheit sein kann, ist so ein Verhalten eines Arztes verantwortungslos. Unsere Kritik an dieser Stelle wurde verharmlost.

Aus all dem hätte ein Artikel entstehen können, der sowohl den Fortschritt würdigt, als auch die Gefahren aufzeigt und der darüber hinaus auch noch für Betroffene hilfreich ist. Schade, dass die Stern-Redaktion diese Chance verschenkt hat.