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Rückblick auf die SternTV-Sendung vom 3.7.2002
Am 3. Juli 2002 gab es bei Stern-TV (RTL, 22:15 Uhr) einen Beitrag zum Thema "Das Schweigen der Männer - Tabuthema Impotenz". Der Beitrag bestand aus einem einleitenden Film und danach einem Gespräch mit Günter Jauch. Studiogäste waren der Sexualmediziner Dr. Budde (Marl) und Günther Steinmetz als Vertreter der Selbsthilfegruppe. Hier ist sein Bericht:
Vielleicht bin ich zu kritisch, aber mir fallen erst mal die negativen Aspekte der Sendung auf. Es war nicht mein erster Fernsehauftritt zu diesem Thema, aber es ist immer wieder enttäuschend, wenn, wie in diesem Fall, 6,5 Stunden Dreharbeiten auf wenige Minuten zusammengeschnitten werden. Da fehlen dann doch wesentliche Aussagen und das was übrig bleibt ist nicht unbedingt das, was ich als wichtig ansehe. Hinzu kam bei der Stern-TV-Sendung noch, dass in letzter Minute ein Beitrag zum Flugzeugunglück am Bodensee eingeschoben wurde. Da wurde dann der Einstiegsfilm zu unserem Thema noch mal gekürzt.
Ich finde es auch sehr schade, dass der Einsatz und Beitrag meiner Freunde aus der Selbsthilfegruppe nicht klar wurde und alles auf meine Person konzentriert war. Wir haben ungefähr 1,5 Stunden lang eine Gruppensitzung aufgenommen und uns sehr genau überlegt, was wir bringen. Dass praktisch nichts davon im Film kam, wird der Leistung meiner Freunde nicht gerecht, die Mails und Telefonanrufe beantworten, Beiträge zu den Internet-Seiten liefern und durch ihre Mitarbeit die Gruppe lebendig halten. Ich fürchte auch, dass die Konzentration auf meine Person nicht besonders hilfreich für betroffenen Zuschauer war.
Das gilt auch für den Auftritt meiner Frau. Im Film war sie nur zuhörend und nickend zu sehen, weil ihre Beiträge auch in letzter Minute weggeschnitten wurden. Das ergibt ein ganz falsches Bild von ihr und wird ihrer aktiven Rolle bei der Bewältigung meines Problems nicht gerecht.
Aber es gibt auch Positives zu berichten: Wir haben jede Menge Mails als
Reaktion auf die Sendung erhalten, alle mit positiven Bemerkungen. Die einzige kritische
Bemerkung bezog sich auf mein Outfit!
Da hatten allerdings schon meine Söhne am Vorabend vergeblich versucht, mich zu einer
"angemessenen" Kleidung zu überreden. Aber ich ziehe halt das an, worin ich mich wohlfühle.
(Schlips und Anzug trage ich höchstens mal zu einer Beerdigung). Besonders lustig fand ich,
dass fünf Männer mir tatsächlich Witze über Impotenz geschickt haben! Herzlichen Dank für
alle Mails!
Ich bin der SternTV-Redaktion sehr dankbar für diese Gelegenheit, unser Anliegen einer breiten Öffentlichkeit nahezubringen. Immerhin hat SternTV fast 3 Millionen Zuschauer! Ganz besonders bedanken möchte ich mich bei dem Autor der Sendung, Wilfried Große-Berg. Es ist sein Verdienst, dass in dieser Sendung nicht nur die medizinische Seite des Problems angesprochen wurde (wie dies in vielen anderen Sendungen der Fall ist), sondern dass klar wurde, dass Impotenz ein Problem ist, das zwei Menschen betrifft und deshalb nur partnerschaftlich gelöst werden kann.
Mir waren bei der Sendung einige Punkte sehr wichtig. Da es mir aus mehreren Gründen nicht gelungen ist, alle "rüberzubringen", habe ich sie hier noch mal aufgeschrieben:
- Dass es Männern sehr schwer fällt, über Potenzprobleme zu reden, kommt nicht von ungefähr, sondern hat viele Gründe.
- Uns ist klar geworden, dass dieses Schweigen schadet. In manchen Fällen ist es sogar lebensverkürzend. In praktisch allen Fällen bedeutet es ein Verzicht auf befriedigende Sexualität.
- Ein Verhalten, das sich 40 oder 50 Jahre lang eingeschliffen hat, lässt sich nicht von heute auf morgen verändern. Es ist aber möglich und es lohnt sich!
- Das Gespräch mit dem Arzt und der Partnerin lässt sich durch nichts ersetzen. Wem das als erster Schritt zu schwer fällt, der kann vielleicht im Gespräch mit anderen Betroffenen Anregungen bekommen, wie er aus seiner Isolation herausfinden kann.